Kurze Geschichten jeglicher Art
Was uns trennt, und was uns verbindet
Kurzgeschichte - gay - ab 14 Jahren
Die Straße ist viel befahren. Fahrzeuge, die als seltsam blecherne Wesen Menschen von A nach B bringen.
Ein Mann steht auf dem Grünstreifen in der Mitte der Fahrbahnen, die Hände in die Hüften gestemmt. Aber er kann mich nicht täuschen. Diese scheinbar selbstbewusste Geste wird von seinem verzweifelten Gesichtsausdruck lügen gestraft.
Sein Auto, ein alter BMW, sieht wie ein besiegter Koloss aus. Eine dieser großen alten Benzinschleudern. Was auch immer dem Gefährt fehlt, es hat sich offenbar als zuverlässig unzuverlässig erwiesen.
Der Mann fährt sich mit beiden Händen durchs dunkle Haar. Er blickt kurz in meine Richtung, aber er nimmt mich nicht wirklich wahr. Seine Aufmerksamkeit ist der Straße gewidmet. Vermutlich wartet er auf den Pannendienst.
Mir kommt der Gedanke in den Kopf, wie gerne ich ihn abschleppen würde - und damit meine ich nicht sein Auto. Ich schäme mich ein bisschen dafür, aber ich kann meine Augen kaum von seinem Körper abwenden.
Das dunkle Shirt steht ihm gut. Seine Jeans sieht neu aus … und eng.
Ich blicke auf seinen Schritt und komme mir noch schäbiger vor. Trotzdem kann ich den Blick nicht von der verlockenden Beule lösen. Man tut das nicht - Mann, der auf Mann steht schon!
Ein vorbeibrausender Bus holt mich aus meiner voyeurhaften Starre.
Vielleicht sollte ich langsam weitergehen?
Es ist ja nicht so, als wäre er in akuter Lebensgefahr. Jeder Versuch, mich ihm zu nähern, kann nur als das interpretiert werden was es ist: Eine Anmache.
Unweigerlich steigt der Gedanke in mir hoch, wie er wohl darauf reagieren würde – auf einen Kerl, der nur schlecht sein sexuelles Interesse an ihm verbergen kann.
Vermutlich würde er denken, dass er einen so beschissenen Tag hat, wie er kaum mehr zu toppen ist. Auto kaputt und dann auch noch von einem Schwulen angegraben.
Das kann den stärksten Mann umhauen – Heten sind manchmal so armselig wenn es darum geht, auf den Flirt eines Geschlechtsgenossen zu reagieren.
Es gibt Ausnahmen bei den Heteros. Zum Glück! Ja, ich würde sogar soweit gehen, zu sagen, dass es manche Männer freut, auch beim eigenen Geschlecht anzukommen, selbst wenn sie auf Brüste und so stehen. Aber ich habe auch schon anderes erlebt. Ganz anderes!
Er reibt sich die Hände an den Hosenbeinen ab, beugt sich ein wenig vor und lässt seine Muskeln spielen. Unbewusst – natürlich!
Wäre es Absicht, würde er jetzt zu mir sehen. Zu mir, der ihn anstarrt und der trotz des ständigen Autostroms doch langsam seine Aufmerksamkeit erregen muss.
Seine Zunge schnellt über die Lippen. Ich kann es nicht genau sehen – aber ich spüre es in meinen Leisten. Ein Ziehen. Keine gute Sache, so mitten auf der Straße. Aber zu verlockend, um wegzusehen.
Nun hebt er den Kopf. Und tatsächlich sieht er mich an!
War das ein Lächeln?
Ich bin mir nicht sicher. Ein roter Toyota hat mir die Sicht für einen Moment versperrt. Vielleicht hat er also nicht gelächelt, sondern angewidert das Gesicht verzogen?
Das eine wäre der Himmel, das andere die Hölle. Unschwer zu erraten, was mir lieber wäre.
Aber ich muss sicher gehen.
Ich sehe mich nach einer Möglichkeit um, die Straße zu überqueren. Eine Fußgängerampel muss es sein, sonst wird das die letzte Aktion in meinem Leben.
Ganz am Ende der Straße sehe ich die ersehnten Lichter. Eine Ampel. Aber warum zum Teufel ist die nur so weit weg?
Bis ich dort bin, könnte der Pannendienst bereits eintreffen und dann würde es schwieriger werden, mit dem verlockenden Kerl Kontakt aufzunehmen.
Ich bin nicht übermäßig schüchtern, aber selbst ich brauche keine Zeugen, wenn ich mich bis auf die Knochen blamiere. Es gelingt mir im Allgemeinen recht gut, mit einer Abfuhr umzugehen – das heißt, ich trage sie mit Fassung … während in mir drin ein kleines Stückchen meines Selbstbewusstseins elend krepiert. Man muss das ja nicht zeigen, aber es ist so.
Der Mann richtet sich auf. Und diesmal ist es eindeutig ein Lächeln, das er mir zukommen lässt!
Unverbindlich? Vielleicht, aber was interessiert mich das?
Interessiert einen Jagdhund, dass ein davonlaufender Hase nur mal eben um den Block hüpfen wollte, um sich die Beine zu vertreten? Da sind Naturgesetze am Werk, die einfach nicht zu unterdrücken sind.
Ein Lächeln kann vieles bedeuten. Vielleicht wollte er sehen, was ich eigentlich von ihm will. Vielleicht hat er inzwischen ein mulmiges Gefühl und wollte so wissen, ob ich Freund oder Feind bin.
Oh, ich bin Freund! Ich habe Lust, ein ganz spezieller Freund zu werden!
Aber die Straße bleibt ein unüberwindliches Hindernis.
Warum gibt es eigentlich immer irgendetwas, das uns voneinander trennt?
Sind es keine Straßen, sind es Worte, Religion, Politik, Weltanschauung, Sexualität.
Insgesamt gibt es mehr, das uns trennt, als dass es Dinge gibt, die uns verbinden.
Aber ein Lächeln verbindet.
Ich fühle mich ihm nun wirklich sehr verbunden!
Es wäre schön, eine sehr enge, tiefe, und erfüllende Verbindung zu ihm herzustellen. Und später könnte man vielleicht sogar miteinander reden.
Der Jagdhund in mir war erwacht.
Eine Kopfbewegung von ihm lässt mich aufmerken. Das war eine Einladung!
Eine komm-doch-her-und-wir-sehen-was-geht Einladung.
Ein Gefühl des Triumphs macht sich in mir breit.
Ich blicke zur Ampel, ein kurzes Nicken meinerseits, dann laufe ich los.
Mit großen Schritten hechte ich durch die Menge. Frauen mit Tüten aus Boutiquen, Kinder, alte Männer, junge Männer … aber keiner ist wie er!
Ich will ihn!
Mein Herz schlägt schnell, ich fühle mich, als könne ich fliegen. Dennoch versuche ich besser nicht, auf diese Weise die Straße zu überqueren. Ich laufe weiter. Noch während ich mir meinen Weg bahne, sehe ich auf der anderen Straßenseite ein Fahrzeug. Einen gelben Abschleppwagen mit den allseits bekannten vier Buchstaben.
Der Freund und Helfer jeden Autofahrers. Zur Hölle soll der Kerl fahren – aber nicht zu ihm!
Im gleichen Moment spüre ich, wie ich mit meinen Beinen gegen etwas stoße. Verdammt! Ausgerechnet ein Kind habe ich wegen meiner Unachtsamkeit über den Haufen gerannt. Es landet auf dem Hintern, eine Eiswaffel fliegt im hohen Bogen auf den Gehweg. Das Kind heult, die Mutter sieht mich strafend an. Wenn Blicke töten könnten, wäre ich nun Geschichte.
Hektisch suche ich in meiner Tasche nach dem Portemonnaie, während ich Entschuldigungen hervorstoße. Ich finde kein Kleingeld. Der Junge ist inzwischen wieder auf den Beinen und nimmt ohne Klage einen Zehn Euro Schein an. Ich murmel erneut eine Entschuldigung, doch meine Gedanken sind bei dem Mann auf der anderen Straßenseite. Ein kurzer Blick zeigt mir, dass der Abschleppwagen bereits mit Blinklicht vor dem gestrandeten BMW steht. Ich hetze weiter zur Ampel und verpasse gerade die Grünphase für die Fußgänger. Eine Ewigkeit scheint zu vergehen
Als ich endlich die Straße überqueren kann, wird der Wagen bereits verladen.
Ich renne.
Wieso geht das mit dem Aufladen nur so schnell?
Aber ich kann es noch schaffen. Vermutlich gibt es noch Formalitäten zu erledigen.
Ich hechte voran. Es wird merkwürdig aussehen, wenn ich so abgehetzt bei ihm eintreffe. Aber wen stört das, wenn es die einzige Chance ist?
Er soll meinen schnellen Atem noch ganz anders zu spüren bekommen. Er soll fühlen, dass mein Mund ihn verwöhnen kann, und er diesen Tag und den ganzen Ärger durch mich zu vergessen in der Lage ist.
Ich wohne nicht weit von hier. Nur ein paar Straßen entfernt. Wird er zustimmen, mit mir zu kommen? Was ist mit seinem Auto? Entsetzt sehe ich, wie der Wagen bereits zum Abtransport bereit ist. Es ist jetzt nicht mehr weit.
Ich kann ihn lächeln sehen, bevor er in den Abschleppwagen einsteigt, der ihn und seinen BMW in die nächste Werkstatt bringen wird.
Wie konnte ich nur so dumm sein? Natürlich fährt er mit!
Ich verlangsame, bis ich schließlich stehen bleibe, und zusehe, wie der Abschleppdienst in den Verkehr einschert und davon fährt.
All meine Aufregung bricht in sich zusammen. Mir ist ein bisschen flau. Ein ungewöhnlich gefräßiges Biest nagt an meinem Selbstbewusstsein.
‚Guten Appetit’, denke ich nur und schlendere zu der Stelle, an der er eben noch stand.
Wäre der Verkehr nicht gewesen, wäre ich in nur wenigen Sekunden bei ihm gewesen.
Aber nun ist es vorbei. Zu spät.
Ich stehe unbeholfen auf dem Grünstreifen. Die Autos brausen an mir vorbei. Ich senke den Blick – ein Moment der totalen Kapitulation.
Dann runzle ich die Stirn. Ich bücke mich und hebe eine Visitenkarte auf, die im Gras steckt. Man sieht, dass sie nicht zufällig dort liegt. Sie ist sauber und etwas ist eilig auf die Rückseite gekritzelt worden.
„Ruf mich an, damit es noch ein Glückstag wird.“
Ich lächle und stecke die Karte ein.
Ja, auch ich habe das Gefühl, dass dieser Tag glücklich enden wird.
Und wer weiß … vielleicht ist er sogar der, mit dem noch viele Tage glücklich enden werden.
Momente
Kurzgeschichte:
Ratings:
Ab 16 Jahren - gay - mit Vorsicht zu genießen.
Das Bett war zu klein. Adrian fluchte leise, als seine Zehen abermals das kalte Metall am Fußende berührten. Er zog die Beine an sich, um so zusammengekauert noch einige Minuten unter der warmen Decke zu verbringen.
Als die Zeiger der Uhr viel zu schnell vorangeschritten waren, setzte Adrian sich auf und rieb sich das Gesicht.
Er fühlte Bartstoppeln. Es wurde Zeit für das Pflichtprogramm.
Adrian schlurfte ins Badezimmer und öffnete den Schrank, in dem seine Tasche stand. Sie war bereits gepackt, denn heute war der Tag, an dem er dieses Appartment zum letzten Mal bewohnt hatte.
Er griff nach dem Rasierzeug und nach kurzem Zögern holte er auch das Radio aus der Tasche im Nebenzimmer, denn was jetzt am allerwenigsten schaden könnte, wäre Musik.
Adrian seifte Kinn- Wangen- und Halspartie sorgfältig ein, um dann die scharfe Rasierklinge gekonnt über seine Haut gleiten zu lassen. Präzise Bewegungen, ausgeführt zu einem melodischen Song aus dem Radiogerät.
Als er fertig war, und sein Gesicht trocken, reinigte er das Rasiermesser und steckte es schließlich in die Tasche zurück.
Mit nackten Füßen durchschritt er die Wohnung, zum letzten Mal den hölzernen Parkettboden unter den Fußsohlen spürend.
Die Küche hatte ihn all die Zeit über nicht sonderlich interessiert. Adrian zog es vor, auswärts zu essen, doch den obligatorischen Shake am morgen wollte er auch am Tage seines Auszugs zubereiten. Kaffee kam heute nicht infrage. Der Lärm des Mixers machte Adrian vollends wach und als das Getöse vorbei war, wiegte er gut gelaunt die Hüften zu den Beats aus dem Radio.
Sein Blick fiel auf den Gummibaum, der seit dem Einzug wieder ganz manierlich aussah. Adrian zielte mit dem Zeigefinger auf die Pflanze und sagte mit grollender Stimme: „Jetzt zick mal nicht rum, mein Guter! Wir werden schon was nettes Neues finden. Wenn du auch nur ein Blatt fallen lässt, dann werfe ich dich auf den Müll, ist das klar?“
Adrian wartete einen Moment auf Antwort, dann murmelte er: „Okay, Hauptsache, wir haben uns verstanden.“
Er schlürfte seinen Protein-Drink und sah zum Fenster hinaus. Gegenüber erstreckte sich die Seitenwand des Nachbargebäudes. Keine Fenster - wie von Adrian gewünscht.
Es war gar nicht so einfach, immer das Richtige zu finden. Zum Glück brauchte er sich darum nicht selbst zu kümmern.
Der Fluss um die Ecke würde ihm fehlen. Das Glitzern darauf, in der untergehenden Sonne, hatte gar nicht mal so schlecht ausgesehen. Kinder hatten eine seichte Stelle dazu genutzt, um Spielzeugmotorboote darauf fahren zu lassen. Manchmal waren sie sogar halb nackt ins Wasser gesprungen und hatten dabei einen Höllenlärm veranstaltet.
Adrian liebte die Ruhe. Da er selbst nie Kinder haben würde, hatte er das Geschrei jedoch mit Gleichmut ertragen - ja, es vielleicht sogar ein wenig genossen, wie er jetzt erstaunt feststellte.
Es geschah nicht oft, dass er sich selbst überraschte. Das war weder sein Stil, noch war es sonderlich hilfreich.
Adrian seufzte leise und machte sich dann daran, Mixer und Glas zu reinigen. Als er fertig war, ging er ins Wohnzimmer, stellte das Radio aus und nahm die große Tasche aus dem Schrank.
Es wurde Zeit, sich um die Arbeit zu kümmern.
Zwei Stunden später pfiff ihm der Wind auf einem Hausdach um die Ohren. Das wäre weiter kein Problem, stellte Adrian fest, schloss seine Jacke jedoch bis oben, was er sonst nur selten tat.
Der Boden war schmutzig, zerbrochene Flaschen zeugten davon, dass hier ab und an Saufgelage stattfanden. Doch heute würde niemand außer ihm dieses Hausdach betreten, dafür hatte Adrian gesorgt.
Sein Blick schweifte über die Fenster des Gebäudes auf der gegenüberliegenden Seite.
Er verharrte bei einem Panoramafenster hinter dem Adrian zwei Sessel ausmachte, in denen je ein Mann in Anzug und Krawatte saß. Der eine war blond und etwas hager, der andere dunkelhaarig und offenbar muskulöser als sein Gegenüber. Adrians Blick blieb auf den Dunkelhaarigen gerichtet, der eindeutig der Attraktivere von beiden war. Mit einem Schriftstück in der Hand beugte sich der blonde Mann zu seinem Gegenüber. Diesem fielen einzelne schwarze Strähnen neckisch in die Stirn, als er sich ebenfalls etwas vorbeugte, um das Schriftstück entgegen zu nehmen. Der Blonde lächelte.
Adrian kniff die Augen zusammen.
Die Hand des hageren Mannes legte sich über die seines gut aussehenden Gegenübers. Dann streichelte sie in eindeutiger Geste darüber.
Adrian gab einen verblüfften Laut von sich. Seine eigenen Finger ließen den Gegenstand los, nach dem er gegriffen hatte.
Der Dunkelhaarige beugte sich nun weit mehr vor, der andere Mann kam ihm entgegen.
Adrian betrachtete, wie sie sich zu einem Kuss trafen.
Damit hatte er nicht gerechnet. Ein Sturm zog in seinem Inneren auf, der völlig unangebracht war. Es traf ihn, diesen Moment der Annäherung mitzuerleben und noch mehr traf ihn die Erkenntnis, dass er einen eben solchen Moment schon viel zu lange selbst nicht mehr erlebt hatte. Beinahe glaubte er, spüren zu können, wie die Lippen des Dunkelhaarigen sich anfühlten. Er stellte sich vor, es wäre seine eigene Zunge, die dessen nun umkreisen würde.
„Scheiße“, murmelte Adrian leise und atmete tief durch.
Er sah zu, wie das Schriftstück auf den Schreibtisch gelegt wurde, ein Kugelschreiber lag in greifbarer Nähe.
Der Dunkelhaarige lächelte, als der Blonde vor ihm plötzlich auf die Knie ging und an seiner Hose zu nesteln begann.
Der Gürtel wurde geöffnet und Adrian konnte erkennen, wie der Sitzenden dabei half, seine Erektion aus dem Stoff zu befreien.
Mit Eifer machte sich der Kniende über das steife Glied her, nahm es in seinem Mund auf und verwöhnte es in eindeutigen Bewegungen.
Adrian biss die Zähne zusammen. Das hier war weder der richtige Ort, noch der richtige Zeitpunkt, um selbst erregt zu werden. Und doch konnte er den Blick nicht abwenden. Er sah, wie der Sitzende dem anderen ins Haar am Hinterkopf griff, ihn auf diese Art dirigierend und ganz sicher wispernd, dass dieser jetzt um Himmels willen ja nicht aufhören solle.
Als der Dunkelhaarige offensichtlich kurz davor war, zu kommen, überraschte er Adrian dadurch, dass er den Kopf des anderen Mannes rigoros fortdrängte und dessen Hand auf seine pulsierende Erektion presste. Er ergoss sich hinein und legte dabei genüsslich den Kopf in den Nacken, den Mund weit geöffnet, als würde er einen kehligen Laut der Ekstase ausstoßen.
Adrian sog dieses Bild in sich auf. Es hatte etwas unglaublich Schönes, den Dunkelhaarigen dabei zu betrachten, wie er zwischen dieser und einer Welt schwebte, die jedes Denken überflüssig machte.
Als der Mann mit dem dunklen Haar den Kopf wieder senkte, und beinahe ohne zu zögern mit einem Lächeln nach dem Kugelschreiber griff, umklammerte Adrians Hand erneut das Mitgebrachte.
Er zögerte nicht, ebenso wenig, wie der andere länger mit dem Schreiben warten würde.
Konzentration.
Präzision.
Gedämpfter Schuss.
Ein blutiges Loch zeigte sich an der Schläfe des Dunkelhaarigen. Breiige Masse spritzte aus der anderen Seite seines Schädels über den Schreibtisch und befleckte auch das noch nicht unterzeichnete Dokument.
Adrian sah nicht mehr zu, wie sein Opfer zusammensackte.
Er hatte genug gesehen. Sein Auftrag war erledigt.
Die Taschen und den Gummibaum hatte er bereits ins Auto gepackt.
Was blieb, war ein leises Bedauern, das er auf dem Hausdach zurückließ, während er die Stufen hinab stieg.
Kommentare: 14
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#1
Naja, immerhin hatte der Dunkelhaarige vorher nochmal richtig nett Fun...so kann man beruhigt sterben, oder? :twisted:
Stellt sich mir nur noch die Frage: Wie hat der zweite Mann reagiert??? Und...ist der auch gekommen? :mrgreen: -
#2
@Tim
Dass er vorher Fun hatte, ist ja auch meine einzige Entschuldigung. LOL
Der Zweite hatte vermutlich nicht mehr ganz so viel Fun ... der ist jetzt wohl eher mit "Aufräumen" beschäftigt.
Ach ja ... ich liebe Happy Ends ... manchmal nicht! LOL -
#3
Iiih, ich stell' mir gerade den Matsch an der Wand und auf dem Hemd des anderen vor! Sauerei! Wer zahlt die Reinigung???
Ahso...das Ende fand ich übrigens überraschend und erfrischend :-) -
#4
@Tim
Bei "Codename Nina" habe ich gelernt, dass dann ein Cleaner vorbeikommt. Ist also alles halb so wild. :-D
Überraschend ... Prima! Das freut mich! :-)
Danke Dir!
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#5
Liebe Hanna,
ich mag Deine kurzen Texte ja generell gern, weil ich zur scheinbar seltenen Spezies der Kurzgeschichtenliebhaber gehöre. Dieser hier hat es mir angetan, gerade weil er ein bisschen extrem ist und vor allem, weil ich es liebe beim Lesen überrascht zu werden. Unvorhersehbare Handlungen sind ein Geschenk, dass Du deinem Leser sehr gekonnt machst :)
Danke also, für diesen Lesegenuss!
Viele liebe Grüße, Nara -
#6
Danke Dir, Nara!
Ich freue mich immer, wenn ich Dich mit etwas Neuem überraschen darf! :-) -
#7
Ein Cleaner, das ist praktisch.,...dann kann ich ja loslegen :lol: Wo find ich nen Cleaner? Besser gleich zwei... ;-)
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#8
Cleaner findest Du in den Roten Seiten - das ist das Branchenbuch für Auftragskiller.
Ich habe übrigens einen Bekannten, der mich auf die fixe Idee mit den Auftragskillern gebracht hat. Manchmal geht meine Phantasie dann eigene Wege und paart sich mit ... ach, das hatten wir ja schon. :D -
#9
DEr Gumibaum hat mich an RONI-DER PROFI erinnert daher war ich auch nicht so überraschat was das ende angeht
aber eine schöne kurzgeschicht sehr erfrischend -
#10
Wer ist Roni-der Profi? Kenne ich nicht.
Danke für deinen Eintrag! -
#11
er meint anscheinend leon-der profi
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#12
Hallo ICH,
ah, danke für die Aufklärung! So konnte ich jetzt mal danach suchen.
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#13
Eine überraschende Wendung, die ich nicht erwartet hatte, die das Ganze aber nach dem reizvollen Zeitvertreib dann doch wieder zum Boden der Tatsachen zurückholt.
Ob wir wollen oder nicht - wir machen alle nur unsere Arbeit, so oder so!
Eine tolle Geschichte, Hanna, auch ohne HappyEnd ;)
Liebe Grüße, Nienna -
#14
Vielen Dank, Nienna!
Ich freue mich, dass die Geschichte gefällt, auch ohne Happy End. Meiner Meinung nach werden die sowieso total überbewertet. ;-)))
Liebe Grüße, Hanna 
Gegen den Strom
Ich stehe auf der Brücke. Das Wasser unter ihr und mir fließt schnell dahin. Der Rhein ist ein Strom, also strömt er. Und ich ströme gleichsam mit - lasse meine Gedanken fortreißen. Unter der Brücke taucht ein Schiff auf. Beladen mit weiß der Geier was, kämpft es gegen die Strömung. Es stört meine Gedanken. Heute sollten alle Schiffe nur mit der Strömung fahren. Ein zweites taucht auf, dann ein drittes. Sie trotzen der Strömung. 'Na gut', denke ich, 'Hauptsache, man kommt ans Ziel'.
©Hanna Julian
Plagiat
"Echt Kölnisch Wasser!", ruft die Frau.
Sie trägt Lumpen. Ihr Rock ist am unteren Saum durchnässt.
Immer wieder füllt sie durchsichtige Pfandflaschen mit Rheinwasser.
"Nur ein Euro!", ruft die Frau.
Die Passanten bleiben stehen - sie kaufen das Wasser, lachen und fühlen sich gut bei dem Gedanken, dass sie der Frau geholfen haben, die diese nette Idee hatte.
So tritt ein Teil des "Kölnisch Wassers" den Weg quer durch die Stadt an.
Der Rest fließt Düsseldorf entgegen.
©Hanna Julian
Ratte der Lüfte
Ziemlich hoch, der Dom.
Ich schaue rauf und mache einen auf Tourist. Mist, ich habe keine Kamera dabei; wäre überzeugender gewesen.
Eine Taube fliegt vor meinen Füßen auf. Ich habe sie nicht gesehen, und wenn, wäre es mir egal gewesen. Es gibt zu viele hier von ihnen.
Jetzt folgt ihr mein Blick.
Sie flattert in den blauen Himmel, vollführt einen gewagten Bogen, dann landet sie auf einem Vorsprung des wundervollen Doms - und scheißt ihn voll.
©Hanna Julian
Mord
Es flimmert vor meinen Augen.
Gurgeln, Husten, Röcheln.
Mein Blick wird glasig.
Brutales Lachen, geifernd, erbarmungslos.
Meine Lider flattern, senken sich.
Gnädige Schwärze - für das Opfer und mich.
Im Fernsehen wird gemordet ... und ich bin eingeschlafen.
©Hanna Julian
Ich sehe was, was du nicht siehst
Du siehst den Weg - ich sehe das Gras in den Ritzen der Gehwegplatten.
Du siehst die Menschen - ich sehe die Schatten, die sie verfolgen.
Du siehst den Himmel - ich sehe die Engel, die daraus geflohen sind.
Du siehst die Stadt - ich sehe Träume, die hier gestrandet im Rinnstein liegen.
Du siehst mich ... und ich frage mich, was du siehst.
©Hanna Julian
Twitter Kurzgeschichten
Die Twitterkurzgeschichten durften lediglich die Länge eines Tweets haben - also 140 Zeichen (Zeichen, nicht Wörter, liebe Drabbler! Sie mussten also noch um einges kürzer sein, als wir es von Drabbles gewohnt sind. ;-) ).
Es reichte für mich bis ins Finale beim Deutschen Twitter Kurzgeschichten Preis (dtkp) - weiter jedoch leider nicht. Ist aber nicht schlimm, denn es war durchaus sehr lustig und hat eine Menge Spaß gemacht!
Hier meine Beiträge
Er hatte sie gesehen, mit seinem Freund. Verräter! Eine Waffe, geladen. Er schoss. Licht. Die Gäste der Überraschungsparty schrien entsetzt.
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Sonnenlicht fällt durchs Rollo. Kinder lachen. Plätschernder Brunnen. Ein Eisverkäufer ruft. Sie schließt seufzend das Fenster. Überstunden.
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New York, Miami, Oslo, Rom, Athen, Prag - Sie ließ die Koffer fallen und kickte ihre High heels in die Ecke. Schön, wieder zuhause zu sein!
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Das Haar frisiert. Dezentes Make-up. Die Lippen rot. Ein leichtes Lächeln im Gesicht. Zufriedenheit. Nun konnte die Aufbahrung stattfinden.
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Geboren wurde er 1691 in London. 1711 traf er den Vampir Joseph - der Mensch in ihm starb. Vor zweihundert Jahren begegnete er mir.
Kommentare: 2
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#1
Ich mag deine Texte hier, so wie ich auch deine Geschichten mag, aber hier stehen Dinge, die mich wirklich sehr berühren. Wunderbar ...
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#2
Vielen Dank, artis! Er kommt sehr verspätet, ich weiß. ;-) Eigentlich wird es auch längst mal wieder Zeit, ein paar kleine Geschichten zu verfassen. Na, mal sehen. :-)
Liebe Grüße, Hanna 
Willkommen bei Hanna Julian

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Kommentare: 5
Chrissi (Samstag, 19 März 2011 18:15)
Wie schön! *seufz*
Ein Text, der einen zuerst mitleiden und dann mitfreuen lässt. Die Gedankengänge des Protagonisten sind klasse formuliert und sehr nachvollziebar. Und ein Kindefreund ist er auch noch. *g*
Lieben Gruß, Chrissi
Nienna (Dienstag, 22 März 2011 00:40)
Was hab ich diese Straße und diesen Verkehr verflucht :)
Aber dann doch ein kleines HappyEnd, das hat mich wirklich gefreut für den armen Kerl. Da würde mich doch glatt interessieren, wie der Tag(von Dir geschrieben)für die beiden weitergeht ;)
LG, Nienna
hannajulian (Dienstag, 22 März 2011)
@Chrissi
Immer wenn man es eilig hat, steht ein Kind im Weg rum. *ggg*
Danke für deinen Kommentar! *freu* :)
Liebe Grüße, Hanna
hannajulian (Dienstag, 22 März 2011 19:43)
@Nienna
Ein kleines Happy-End...und vielleicht tatsächlich ein ganz großes. Es wäre eine Überlegung wert. ;-) Danke dir für deinen Kommentar!
Liebe Grüße, Hanna
Larissa (Donnerstag, 12 Mai 2011 14:05)
Die Geschichte hat mir echt gut gefallen. Mit dem Happyend hab ich schon gar nicht mehr gerechnet. Ist schön dass es gut ausgeht, hat mich echt für die beiden gefreut!
LG,Larissa