Der schlimme Ausgang der Loveparade

Die Loveparade in Duisburg hat mich heute seit den ersten schlimmen Nachrichten stetig beschäftigt. Und bevor ich nun ins Bett gehe, muss ich zumindest kurz noch einmal darüber schreiben, auch wenn ich inzwischen wirklich sehr müde bin und das hier kein Bericht zu den Geschehnissen werden soll.

Ich denke, Zahlen und Fakten sind ohnehin - soweit man sie bislang benennen kann - in den Medien ständig im Gespräch.

Was mich im Moment bewegt, hier - trotz zufallender Augen - noch kurz zu schreiben, sind meine ganz eigenen Empfindungen.

 

Die Loveparade ist wohl der Inbegriff einer öffentlichen Party im großen Stil. Technobeats, Menschenmassen, Feier, Alkohol. Für den einen die Hölle, für den anderen ein Event, bei dem er gerne ausgelassen feiern möchte. Dass es für einige dieser Feierer dennoch zur Hölle wurde, ist ein schreckliches Gefühl, auch wenn ich selbst nicht dabei war.

Zu wissen, dass viele Menschen ihre Angehörigen verloren haben, die eigentlich nichts weiter als einen schönen Tag verbringen wollten, ist heftig!

Ich weiß, dass einige mit Zynismus reagieren ... das war auf Twitter heute eindeutig zu verfolgen. Manche tun es vielleicht aus einer Hilflosigkeit heraus, andere um zu provozieren, und manche sind vielleicht tatsächlich so dumm, wie mancher Kommentar glauben ließ.

Tatsache ist jedoch in meinen Augen, dass es verdammt tragisch ist, was da heute passierte!

 

Vielleicht verlassen wir uns auch viel zu sehr darauf, dass bei großen Veranstaltungen für unsere Sicherheit gesorgt wird.

Ich kenne das Gefühl noch aus den Achtziger Jahren, wenn ich im zarten Alter von 14 auf Konzerte in großen Hallen ging.

Da wurde gedrängelt, geschoben, geschubst. Sicherheitsvorkehrungen wie Wellenbrecher gab es damals noch nicht. Wenn man fiel, dann streckten sich einem Hände entgegen, die einem aufhelfen wollten. Ergriff man sie nicht, so waren es nur binnen von Sekunden die Füße der gleichen Leute, die auf einen traten. Weil sie gar nichts anderes tun konnten, da die Leute ebenfalls von der Masse geschoben wurden.

So habe ich es selbst erlebt und mich oft darüber gewundert, dass in den Medien damals so oft berichtet wurde, dass Fans wegen Hysterie umfallen. Natürlich war das zusätzlich ein Grund, aber an den Stangen vor der Bühne eingeklemmt zu werden, weil von hinten die Masse gegen einen drängt, hat wenig mit Fantum und Hysterie zu tun. Es ist einfach schrecklich, in einer Menge hin und her geschoben zu werden, ohne etwas dagegen tun zu können, oder von ihr eingeklemmt zu werden. Die Luft bleibt weg, der Kreislauf macht schlapp. Panik kommt auf. 

Ich hatte damals den ein oder anderen Albtraum deswegen.

 

Wie schrecklich muss es für die Menschen in diesem Tunnel gewesen sein?

Meine Gedanken sind bei denen, die all das miterlebt haben. Und natürlich bei den Verwandten, Bekannten und Freunden der Menschen, die nicht lebend und unversehrt von der Loveparade zurück gekehrt sind.

Ich werde nun ins Bett gehen, aber ich weiß, dass viele Menschen heute keinen Schlaf finden werden, aus Trauer oder Sorge um die Menschen, die sie lieben.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Harry (Sonntag, 25 Juli 2010 14:33)

    Schöner Beitrag!
    Ich habe bei mir im Blog noch ein Video eingebunden, dass die Massen vor dem Tunnel zeigt. Und wenn man heute die Pressekonferenz gesehen hat, dann ist das wirklich verblüffend, wie die Menge dort herunter geredet wurde...105.000 Menschen... etc.
    Hilflosigkeit und Verdrängung. Ich hoffe für alle Beteiligten, dass es 100%ig aufgeklärt wird.
    greetz