Leseprobe: Weihnachtsk(r)ampf

Ein Tag bis Heiligabend


»Scheiß die Wand an. Scheiß die Wand an. Bastard.«

Was Paddington tags zuvor zurückgehalten hatte, kam an diesem Morgen gleich in geballter Ladung verbal zum Vorschein.

»Können wir ihm nicht etwas Zivilisierteres beibringen? Der Vogel hat einen Hang, unflätige Dinge von sich zu geben.« Tom sah mit düsterem Blick zu dem Beo, während er sein Toast mit Marmelade bestrich. »Ich wundere mich, dass er uns nichts von Mord und Totschlag erzählt, wo Frau Meyer so ein Krimi-Fan ist.«

»Du hast ihm doch Weihnachtslieder beigebracht. Such mal den Sendeknopf bei dem Vieh und stell ihn auf das richtige Programm.«

Miguel lachte. Immerhin war Tom wieder bereit, mit ihm zu scherzen; der Ärger vom Vortag schien verflogen zu sein. Paddington schwieg nun, da er damit beschäftigt war, aus dem Apfelstück, das Tom ihm zuvor gegeben hatte, kleine Stücke zu hacken.

»Was hältst du davon, wenn wir morgen Fondue machen? Darauf hätte ich richtig Lust. Oder hast du schon etwas anderes geplant?«

Miguel schüttelte den Kopf und ihm wurde klar, dass er eigentlich immer nur über die Gans für den ersten Weihnachtstag nachgedacht hatte. »Super Idee! Dann besorgen wir Fleisch und machen Saucen und Salate dazu. Und Brot brauchen wir noch.« Tom nickte nur. Miguel wartete noch ein wenig ab, um dann endlich das Gespräch auf den zusätzlichen Gast für den übernächsten Tag zu lenken.

»Du weißt doch, dass ich ein paar Kollegen gefragt habe, ob sie an Weihnachten mit uns feiern wollen«, sagte Miguel. Tom nickte. »Also … Tobias möchte kommen.«

»Wer ist Tobias?«

»Ein Kollege.«

»Aber den kenne ich überhaupt nicht. Von dem hast du nie erzählt. Ich dachte, du lädst Leute ein, mit denen wir schon mal zusammen etwas unternommen haben. So wie Fernando. Mit dem waren wir zweimal im Kino, wenn ich mich recht erinnere.«

Miguel nickte. »Das stimmt. Aber er kann nicht. Dafür kommt nun Tobias. Er ist … okay. Ich denke, es wird interessant.« Tom starrte ihn an. »Das klingt jetzt aber alles andere als gut. Sag mal, hast du etwa einen Aushang gemacht? Und jetzt kommen alle, die man woanders nicht dabei haben will?«

Miguel wand sich. »Nein, ich habe keinen Aushang gemacht. Und ich habe auch nicht jeden einzelnen meiner Kollegen eingeladen. Das mit Tobias hat sich einfach so ergeben. Aber es ist ja schließlich Weihnachten. Du wirst schon sehen, dass es gut geht.« Tom sah nur noch entsetzter aus. Dann hob er beschwichtigend die Hand. »Okay. Letztendlich lag dir ja viel an dem Fest. Ich nehme es einfach, wie es kommt. Aber bitte beschwere dich nachher nicht bei mir, wenn es eine Katastrophe wird. «

»Es wird keine Katastrophe werden. Das darf es einfach nicht.«

Tom beugte sich zu ihm und berührte ihn sanft. »Du steigerst dich da viel zu sehr rein. Jeder Tag im Jahr ist einzigartig. Weihnachten ist nur ein Fest des Kommerz und ein Aufhänger für Familien, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen. Über so etwas sind wir doch weit hinaus. Oder siehst du das anders?«

War das die Frage aller Fragen? Suchte er etwas, das jenseits von allem lag, was seine Beziehung zu Tom ausmachte? Und wenn ja, warum? Miguel geriet ins Schleudern. »Ich will doch nur, dass wir eine schöne Zeit haben.« Er wusste, wie dumm sich das anhörte – ganz so, als habe er nichts von dem begriffen, was Tom ihm verständlich machen wollte.

»Okay. Ich gehe dann mal einkaufen. Wo ist die Liste?« Tom hatte sich so abrupt erhoben, dass Miguel ihn überrascht ansah. »Ich werde dich begleiten. Wir können die Sachen zusammen besorgen. Ich muss auch noch Geschenke für Miro und Tobias aussuchen.«

»Wäre es nicht besser, wenn du dich noch etwas ausruhst?«

Miguel führte die Hand zum Pflaster und zog es ab. »Ich brauche weder das Ding, noch besonders viel Ruhe. Es geht mir gut. Ganz ehrlich!«

Tom hob eine Augenbraue. »Gut, wenn du meinst. Dann wollen wir uns mal ins Getümmel stürzen. Ich wette, im Supermarkt sieht es aus, als gäbe es nach den Festtagen nie wieder etwas zu kaufen. Dass du dich freiwillig da rein stürzen willst, bringt mich auf eine gute Idee ...« Er grinste.

»Und auf welche?«, hakte Miguel nach.

»Auf die, dass ich eigentlich zu Hause bleiben könnte, während du die ganzen Sachen einkaufst.«

»Bastard«, krächzte Paddington. »Genau«, stimmte Miguel ihm zu. Tom grinste noch breiter. »War doch nur ein Scherz. Los, auf in den Kampf!«

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