Interviews, die mit mir geführt wurden

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Aracnafaria hat mich interviewt http://www.aracnafaria.de/

Hallo Hanna. Ich danke Dir das Du Dir Zeit nimmst und einige Fragen beantwortest.

 

Zum Einstieg wäre es toll, wenn Du Dich ein bisschen vorstellen könntest.

 

Hanna:

Ich wurde in Köln geboren, wuchs vor den Toren Kölns auf und lebe inzwischen mit meinem Mann und unseren beiden Söhnen im Bergischen Land.

 

Wie kamst Du auf die Idee zu „Wie im Film“?

 

Hanna:

Da war diese Anfangsszene in meinem Kopf. Also, genau die Szene des Warteraums beim Pornocasting und den Konkurrenzgedanken von Daniel in diesem Moment. Woher sie kam, kann ich nicht genau sagen. Aber sie war da und daraus entwickelte sich der Roman.

 

Kannst Du eine kurze Inhaltsangabe machen?

 

Hanna:

Daniel und Eric lernen sich im Warteraum eines Pornocastingbüros kennen. Es kommt recht schnell zum ersten Sex, doch danach folgt die Ernüchterung, denn Eric hat Daniel bestohlen. Aber der Gedanke an den attraktiven Eric lässt Daniel einfach nicht los. Es kommt zum ersehnten Wiedersehen. An sexuellen Begegnungen mangelt es den beiden nicht, doch es entwickelt sich weit mehr aus diesem Verhältnis. Das ungute Gefühl, dass Eric etwas zu verbergen hat, wächst jedoch ebenso mit jedem Kapitel. Was es ist, mag der Leser gerne selbst entdecken.

 

Wie lange hast Du denn vom ersten Satz bis zur Veröffentlichung gebraucht?

 

Hanna:

Das Schreiben selbst hat nicht lange gedauert. Die Geschichte lief einfach und wurde mit jedem neuen Teil rasanter in dem Wunsch, niedergeschrieben zu werden. Es war einfach so, als würden Daniel und Eric mir ihre Geschichte erzählen und ich widmete ihnen gerne meine Zeit. Von der Zusage bis zur Veröffentlichung dauerte es dann natürlich, was völlig normal ist. Alles in allem würde ich sagen, dass vom ersten Satz an etwa anderthalb Jahre vergingen, bis ich mein eigenes Buch in den Händen halten konnte. Ein tolles Gefühl übrigens. –lächelt-

 

„Wie im Film“ spielt in Köln – Warum?

 

Hanna:

Ich fühle mich Köln sehr verbunden. Die Handlungsorte sind mir vertraut und ich wollte ihnen gerne in meiner Geschichte zusätzlich selbst erfundenes Leben einhauchen.

 

Gibt es einen bestimmten Grund, warum Du dir genau diese Schauplätze (z.B. Rheinpark, Deutz) ausgesucht hast?

 

Hanna:

Der Rheinpark hat mich schon als Kind begeistert. Ich mag die Art, wie er angelegt ist. Nichts Bombastisches, sondern einfach nur immer wieder Punkte, an denen man stehen bleibt und denkt: „Hey, ist das schön hier.“

Der Königsforst spielt eine Rolle, weil ich eine persönliche Erfahrung mit ihm in Verbindung bringe, die ich Daniel und Eric erspart habe; denn ich habe mich dort als Jugendliche mal ganz schrecklich mit dem Fahrrad verfahren. Es ist ein Wunder, dass ich überhaupt wieder in die Zivilisation zurückgefunden habe. –lacht-

Die Gegend, in der Daniel wohnt, kenne ich ebenfalls persönlich sehr gut. Dennoch habe ich mir die ein oder andere künstlerische Freiheit erlaubt, was ja auch völlig legitim ist, da ich einen Roman und keinen Reiseführer geschrieben habe. –lächelt-

 

War „Wie im Film“ das erste Buch, welches Du unter Hanna Julian veröffentlich hast?

 

Hanna:

Es war das erste gedruckte Buch, das unter meinem Pseudonym Hanna Julian erschien. Zuvor hatte ich bereits erotische eBooks beim Club der Sinne veröffentlicht, sowie die Kurzgeschichte „Experiment Nummer 13“, die in der dead soft Anthologie „Gayheimnisse“ erschien.

 

Wieso hast Du ein Buch geschrieben, in dem es zwei schwule Hauptcharaktere gibt?

 

Hanna:

Weil ich die beiden liebe. –lacht-

Okay, lass mich mal ernsthaft überlegen. Ich hatte mich zuvor schon einmal mit schwulen Charakteren schreiberisch beschäftigt und stellte fest, dass mir die Sache ziemlichen Spaß machte. Und da Spaß am Schreiben meiner Meinung nach ein ultimativ wichtiger Bestandteil dafür ist, dass eine Geschichte gut wird, habe ich auf sämtliche Vorurteile, wie etwa die, dass ich als Frau keinen schwulen Mann schreiben könnte, einfach gepfiffen.

Im Großen und Ganzen ist diese Vorgehensweise gar nicht mal so unüblich, denn als Autor schreibt man oftmals über Charaktere, auf die man sich einlassen muss. Bei mir ist es so, dass ich mich sehr wohl dabei fühle, wenn diese magische Verbindung zu meinen Protagonisten entsteht. Ob, oder wie gut mir das gelingt, dies zu entscheiden, überlasse ich stets meinen Lesern.

 

Ich finde Du hast sehr gut aus einer „schwulen Sichtweise“ geschrieben. Wie war Dir das möglich?

 

Hanna:

Ich habe mich während des Schreibens Daniel und Eric sehr nahe gefühlt. Ich habe wie sie gedacht, empfand Kummer, Sehnsucht und Lust mit ihnen. Gute Voraussetzungen, wie ich meine. –lacht- Es macht mir Spaß, Klischees zu überwinden, manchmal jedoch auch mit ihnen zu spielen, sie heraufzubeschwören und dann wie ein Kartenhaus zusammenfallen zu lassen.

Wer schreibt, der spielt: mit Wahrheiten, mit Illusionen, mit Vertrautem und Fremdem. Außerdem spiele ich schreiberisch gerne mit verschiedenen Varianten der körperlichen Liebe. Und ich hörte, dass auch Schwule gerne spielen … ja, ich fühle mich da nicht gänzlich verkehrt. –lacht-

 

In Hinsicht auf Dein Buch und vielleicht anderen „schwulen Büchern“ : Wer kann so etwas besser schreiben – Frauen oder Männer/Schwule? 

 

Hanna:

Nun, das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Natürlich müsste man davon ausgehen, dass der, der echte Erfahrung sammelt, auch der bessere Autor ist. Aber so einfach ist die Sache beim Schreiben nun mal nicht. Hier kommt eine ganze Menge von Dingen zusammen. Von daher denke ich, dass es wundervolle Autoren gibt, die Gay-Geschichten erzählen können, ohne dass ich sie nach dem, was sie zwischen ihren Beinen tragen – oder auch nicht – klassifizieren möchte.

 

Aus welchem Grund kommt die erste Sexszene denn so früh? Normalerweise dauert es ja immer etwas. (Nein, es störte mich nicht. ^.^)

 

Hanna:

-lacht- Freut mich, dass es dich nicht störte. Aber natürlich hast du recht, normalerweise lauft des genau umgekehrt. Als ich die Anfangsszene im Kopf hatte, ging es mir darum, eine Liebesgeschichte zu erzählen, die mit Sex beginnt – und damit meine ich gar nicht mal was die beiden im Anschluss in Daniels Küche erleben, sondern ihre Auseinandersetzung damit, dass sie unpersönlichen Sex vor einer Kamera haben werden. Es sollte sozusagen um den Akt in Reinform gehen. Und erst nachdem beide diesen Job für sich abgelehnt haben, entwickelt sich die Beziehung zwischen Daniel und Eric. Wie, und ob das gut geht, mag ich hier natürlich nicht erzählen. Das muss der Leser schon selbst herausfinden. Wink

 

Wie stellst Du dir deine Hauptcharaktere bildlich vor ?

 

Hanna:

Das ist eine sonderbare Sache. Ich selbst habe kein konkretes Bild meiner Hauptcharaktere im Kopf. Eigentlich nie. Natürlich beschreibe ich sie und sie sind mir vom Typ her jeweils vertraut, aber ich könnte niemals sagen, sieht aus wie Schauspieler XY oder jemand, den ich persönlich kenne. Nachdem das Cover ausgesucht war, nahm Daniel für mich allerdings tatsächlich die Gesichtszüge des Mannes auf dem Cover an – und ich finde, er passt ganz ausgezeichnet.

 

Ab wann haben die Charaktere begonnen, die Handlung zu „übernehmen“?

 

Hanna: 

Ich lasse meinen Charakteren beim Schreiben immer eine lange Leine. Sozusagen von Anfang an, da ich gemerkt habe, dass ich davon profitiere, wenn ich ihnen ihre eigenen Handlungsweisen erlaube. Ich kann und möchte nicht nach Reißbrettvorgaben schreiben – Lebendigkeit steht für mich an erster Stelle. Manchmal bringen mich ungeplante Kehrtwendungen meiner Charaktere im ersten Moment in Schwierigkeiten – aber tut das Leben nicht genau dies oft genug mit einem? –lacht-

 

Wärst Du eventuell gern mehr auf einige Charaktere eingegangen?

 

Hanna:

Ich habe in meiner Anthologie „Männerlieben“ die Chance genutzt, und in meiner Geschichte „Närrische Zeiten“ einen kleinen Ausflug in die Zukunft von Daniel, Eric und Vicky gemacht. Ansonsten wäre ich bei „Wie im Film“ vielleicht gerne etwas mehr auf Daniels Mutter eingegangen. Die Szene mit ihr ist mir persönlich sehr wichtig. Aber ebenso wichtig war es mir, keinen unrealistischen Frieden zwischen den beiden zu produzieren. Insofern denke ich, dass ihr Anteil genau richtig ist. Aber ich gebe zu, dass ich mich manchmal frage, wie die Taufe abgelaufen ist. –lacht- Ich bin mir sicher, das würde Stoff für eine weitere Geschichte bieten. Wink

 

Danke Hanna. Jetzt habe ich noch ein paar Fragen, die nicht wirklich was mit dem Buch zu tun haben.

 

Köln ist bekannt als „schwule Stadt“ – Aus Deiner Sicht, wie erklärst Du dir das?

 

Hanna:

Ich denke, dass es zum großen Teil an der kölschen Mentalität liegt. Nicht umsonst sagt der Kölner: „Jede Jeck es anders.“ Er drückt damit eine Toleranz aus, die ich selbst sehr mag, und sicher auch zum großen Teil so lebe. Die schwul-lesbische Szene hat in Köln ihren festen Bestandteil und ist einfach unglaublich lebendig. Außerdem ist Köln eine Medienstadt und auch hier sind sehr viele homosexuelle Größen in Köln beheimatet. Beim CSD/ ColognePride wird dann auch deutlich, dass der Kölner an sich gerne feiert. Ein Event, das man nicht verpassen sollte, auch wenn man andere CSDs kennt, so ist der Kölner eben ein ganz besonderer und unbedingt sehenswert. Auch wenn mir persönlich sehr viel daran liegt, dass die politischen und gesellschaftlichen Forderungen bei all der Feierei nicht ins Hintertreffen geraten.

 

Wieso schreibst Du Bücher?

 

Hanna: 

Ich schreibe schon, solange ich zurückdenken kann. Meine ersten Geschichten schrieb ich in Schulhefte (also in welche, die ich nicht im Unterricht benutzte –lacht-). Dann folgten Texte, die ich auf einer mechanischen Schreibmaschine tippte, später dann auf einer elektrischen. Und irgendwann kam mir der Computer zu Hilfe – das sparte eine Menge Tipp-Ex. –lacht- Aber nicht jeder, der schreibt, veröffentlicht auch Bücher. Ich habe jedoch das Glück, zu diesen Autoren zu gehören. Ich freue mich, wenn sich die Leser gut unterhalten fühlen und mit mir in die Geschichten eintauchen. Genau das ist es, was ich mit meinen Büchern erreichen möchte.

 

Schreibst Du nur Gay-Bücher?

 

Hanna:

Nein. Die Frage wäre sogar eher, was ich nicht schreibe. –lacht- Ich begebe mich gerne in unterschiedliche Genres. Das reicht vom Krimi, über geheimnisvolle Familiengeschichten, bis hin zum Horror. Auch zu Liebesgeschichten lasse ich mich ab und an hinreißen … hier allerdings momentan tatsächlich fast am liebsten im Gay-Bereich. Der Grund? Ich sage ihn dir, wenn ich ihn kenne. LOL

 

Hast Du Kontakt zu anderen „Gay-Autoren“?

 

Hanna:

Ja, zu einigen. Diese Kontakte haben sich entwickelt. Aber ich bin niemand, der auf direkte Kontaktsuche mit anderen Autoren geht.

 

Kannst Du uns vielleicht Bücher aus diesem Genre empfehlen?

 

Hanna:

Ich möchte eine Empfehlung geben, da diese Reihe wohl den Grundstein für mein Interesse an schwuler Literatur allgemein gelegt hat. Es sind die Stadtgeschichten von Amistead Maupin. Ich fürchte allerdings, vieles, was dort Thema ist, ist inzwischen überholt. Und auch das San Francisco von heute sieht natürlich ganz anders aus. Aber man erfährt vieles aus der Vergangenheit und Maupin hat erst kürzlich den achten Band veröffentlicht. Damit reichen die Stadtgeschichten wieder an unsere Zeit heran. Mich haben diese Geschichten, die sich über die Jahre hinweg um die gleichen Charaktere ranken, verzaubert. Ich liebe zudem Maupins Art, seinen Protagonisten Leben einzuhauchen und bewundere seine Kunst, klare Worte zu finden, ohne niveaulos zu werden.

 

Hast Du Tipps für jemanden, der auch gerne schreiben würde?

 

Hanna:

Wer schreiben möchte, sollte es unbedingt tun! Für mich ist das Schreiben in erster Linie etwas, das ich für mich selbst tue. So habe ich auch „Wie im Film“ ursprünglich nicht für die Öffentlichkeit geschrieben, sondern nur für mich.

Sich an der Leserschaft zu orientieren, ist natürlich wichtig, aber nicht, wenn es auf Kosten der Geschichte geht. Also kann ich jedem nur raten, in erster Linie auf das zu hören, was seine Charaktere ihm erzählen. Wer so schreibt, und damit Leben und Authentizität in seine Geschichten bringt, der hat auch gute Chancen, dass sich andere davon begeistern lassen.

 

Hast Du aktuell etwas in Planung/Bearbeitung?

 

Hanna:

Oh, einiges. Zum einen wäre da – thematisch passend – eine bereits fertige Gay-Science- Fiction Geschichte. Sie ist eine ziemlich rasante Mischung. Ich würde mir wünschen, dass sie meine nächste Veröffentlichung im Bereich schwule Bücher wird.

Außerdem habe ich da noch andere Projekte, die langsam Gestalt annehmen und ich mit einer Veröffentlichung liebäugele.

Aber erstmal kommt noch mein Krimi „Mord im Hafen“. Er erscheint in Kürze bei amative publisher.

 

Gibt es etwas, über das Du sehr gerne einmal schreiben würdest?

 

Hanna:

Eine Idee brennt mir gerade unter den Nägeln, aber noch bin ich nicht soweit, dass ich mich ihr annehmen könnte. Sie entstand nur aufgrund eines Stichwortes, das bei einer schwulen Stadtführung fiel. Mal sehen, ob ich die Idee irgendwann in Worte kleide. Ich bin mir sicher, da lauert eine Geschichte … ist nur so ein Gefühl. –lacht-

Danke Hanna für das tolle Gespräch und Interview.

Die Autorin Maren Frank hat mich interviewt:

 

Hanna Julian schreibt erotische Geschichten, Homoerotisches, aber auch mal weniger heiße Texte. Nach einigen Veröffentlichungen von ebooks erschien im August 2010 ihr Debütroman "Wie im Film. Ich freue mich sehr, dass sie sich die Zeit genommen hat, einige Fragen zu beantworten:

 

Erzähl doch bitte zuerst etwas zu "Wie im Film". Hast Du den Roman schon mit dem Hintergedanken geschrieben, dass er für einen bestimmten Verlag ist?


Als ich „Wie im Film“ zu schreiben begann, war es anfangs einfach eine Geschichte, die ich unbedingt erzählen musste. Die Charaktere Daniel und Eric bekamen ein solches Eigenleben, wie ich es beim Schreiben liebe.
Ich hatte es nicht immer leicht mit den „Jungs“ *lach* aber sie haben sich in mein Herz geschlichen und ich konnte und wollte nicht widerstehen, sie ihre Geschichte bis zu Ende erzählen zu lassen.
Natürlich begann ich, mich nach Verlagen umzusehen, die eine homoerotische Liebesgeschichte publizieren würden. Ich stieß schnell auf deadsoft und bin sehr glücklich, dort Autorin zu sein.

 

Was hast Du als Erstes gemacht, als Du die Zusage bekommen hast?


Ich habe eine Freundin angerufen und ihr ins Ohr gekreischt. *lach*. Sie hat es mit Fassung getragen und sich kräftig für mich mitgefreut.

 

Wie hast Du das Lektorat davon erlebt?


Das Lektorat war so professionell, freundlich und angenehm, wie ich es mir erhofft hatte. Ich habe viel gelernt und versuche einiges davon heute bereits beim Schreiben umzusetzen. Aber man lernt nie aus, und das ist gut so.

Und was war, als dann das Paket mit den Belegexemplaren ankam, hast Du das gefeiert oder still für Dich genossen?


Ich habe es tatsächlich erst still genossen. Ich war zu diesem Zeitpunkt alleine im Haus und konnte den Moment des Paketöffnens ganz für mich genießen.
Später dann habe ich mit einigen Leuten gefeiert, die mir wichtig sind.

 

Wie schreibst Du, planst Du vorher gründlich durch?


Allenfalls Stichwörter oder Eckpfeiler notiere ich mir. Ich weiß, dass viele ihren Plot zu Anfang komplett durchstrukturieren. Das ist sicher eine feine Sache … wenn man denn so schreiben kann. Ich kann es nicht, und das liegt einfach daran, dass ich meinen Charakteren ein solches Eigenleben gestatte, dass sie mich manchmal von festen Plots wegführen.
Bislang habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich auch beim Schreiben auf mein Gefühl hören sollte.
Ich bin immer gut damit gefahren und obwohl „Wie im Film“ mein erster gedruckter Roman war, schreibe ich bereits seit Jahren und durfte erfahren, dass meine Art des Schreibens Leser anzieht. Ein schönes Gefühl!

 

"Wie im Film" ist ein Gay-Romance, also ein Liebesroman, in dem sich zwei Männer finden. Wolltest Du von Anfang an genau diese Konstellation schreiben oder gab es mal die Überlegung, den Roman mit einer Mann/Frau-Kombination oder zwei Frauen zu schreiben?


Es sollte von Anfang an eine Mann/Mann-Geschichte sein. Die Anfangssequenz war mir schon seit längerer Zeit im Kopf und ich wusste, dass ich mich damit näher beschäftigen wollte.

 

Was sagen Deine Familie und Deine Freunde denn dazu, dass du nun eine veröffentlichte Autorin bist?


Meine Familie und Freunde unterstützen mich, und ich freue mich über deren tolle Reaktionen zu meinen Veröffentlichungen. Sie lesen nicht nur, sondern lassen mich auch erkennen, dass sie stolz auf mich sind. Ein tolles Gefühl, das mich natürlich beflügelt.

 

Hast Du Autoren, die Du als Vorbilder betrachtest? Sei es nun vom Schreiben her oder vom Umgang in der Öffentlichkeit.


Nein, das habe ich nicht. Ich habe viele Lieblingsautoren, doch die schreiben, und gehen mit der Öffentlichkeit so unterschiedlich um, dass ich keinen davon als mein klassisches Vorbild bezeichnen würde.
Ich denke, jeder hat seine ganz individuelle Art, und das ist mir persönlich wichtiger, als jedes Nacheifern. Das bezieht sich übrigens nicht nur auf das Schreiben.

 

Bekommst Du viel Feedback von Lesern und wie sieht das aus? Antwortest Du jedem?


Ich bemühe mich, jedem zu antworten. Da man mich über verschiedene Plattformen wie Twitter oder mySCOUT!.com ,sowie natürlich über meine Homepage erreichen kann, ist es möglich, mit mir direkt Kontakt aufzunehmen, und mir gibt es die Möglichkeit, auf Feedback direkt zu antworten.
Ich freue mich tatsächlich über eine ganze Menge Rückmeldungen und hoffe, dass ich meinen Lesern auch weiterhin den Kontakt bieten kann, den sie sich wünschen.

 

Wie sieht das bei Dir aus, wenn Du gerade an einem Roman arbeitest? Hörst Du Musik dabei und wenn ja, welche? Steht etwas zu trinken in Reichweite? Oder brauchst Du süße Nervennahrung in Form von Schokolade?


Während ich schreibe, höre ich keine Musik, wohl aber davor oder danach. Sie ist für mich Muse, und ich spiele dann gedanklich Szenen durch. So kommt es, dass ich manche Romanpassagen durchaus mit einem Lied in Verbindung bringe, doch zum Schreiben selbst brauche ich Ruhe.
Etwas zu Trinken habe ich immer in Reichweite. Meist ist es Tee. Manchmal Wasser, ab und an ein süßer Capuccino.

 

Tauschst Du Dich mit anderen Autoren aus?


Ich tausche mich manchmal mit Freunden aus - einige davon schreiben auch selbst, aber in erster Linie höre ich auf mein eigenes Gefühl.

 

Was inspiriert Dich?


Musik inspiriert mich auf jeden Fall. Und ein ausgiebiges Bad. Die Badewanne ist mein Ideenpool. *lach* Manchmal sind es aber auch Menschen. Das kann ein einziges Wort sein, oder auch eine fixe Idee, die sich zu einer Geschichte entwickelt. Als Autor ist man zum Glück vor so etwas nie sicher. ;-)

 

Was dürfen die Leser denn als nächstes von Dir erwarten?


Zum einen wird es eine Anthologie von mir mit Gay-Kurzgeschichten geben. Das Buch wird dieses Jahr im deadsoft Verlag erscheinen.
Außerdem arbeite ich zur Zeit an zwei weiteren Geschichten, die als Roman erscheinen sollen.
Da diese aber noch nicht spruchreif sind, werde ich zu einem späteren Zeitpunkt davon berichten.
Wer auf dem Laufenden bleiben möchte, kann dies am besten über meine Homepage tun. Dort gibt es neben Infos und Geschichten auch Fotogalerien, die ständig erweitert werden.
Über Besuche und Kommentare freue ich mich also immer.

 

Ich bedanke mich herzlich für das Gespräch und wünsche weiterhin viel Erfolg.

Mehr über Hanna Julian gibt es auf ihrer Internetseite, auf der sie auch einige Kurzgeschichten zum kostenlosen Lesen stehen hat:
http://hannajulian.jimdo.com/

Chris von Lokuszeit (http://lokuszeit.heldenblog.net/)hat mich interviewt

LZ: Hallo Hanna!
Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, mir ein kleines Interview zu geben!
Bitte stelle Dich doch kurz vor. Wer bist Du und was machst Du?


HJ: Hallo Chris! Unter dem Namen Hanna Julian verfasse ich Texte, die hauptsächlich erotischer Natur sind. Ich wurde in Köln geboren, bin verheiratet und habe zwei Kinder.

 

LZ: Gleich mal die Standard-Frage vorweg: Kann man davon leben? ;) Oder machst Du beruflich noch etwas anderes?


HJ: *lach* Nein, leider kann ich davon nicht leben. Allerdings habe ich das Glück, dass ich beruflich schon immer mit dem Schreiben zu tun hatte.  Man könnte also sagen, dass es sich bei mir immer ums Lesen und Schreiben dreht und so gesehen, verdiene ich damit also tatsächlich schon lange mein Geld.

 

LZ: Du benutzt ein Pseudonym: “Hanna Julian” – Das ist heute nicht mehr sehr üblich. Warum machst Du das?


HJ: Bei erotischen Texten ist es durchaus nicht unüblich und wird auch von den Verlagen so angeboten. Für mich ist es eine klare Trennung zwischen den unterschiedlichen Genres, in denen ich schreibe. Ich fühle mich inzwischen sehr wohl als Hanna. Sie ist zu einem Teil von mir geworden, den ich nicht mehr missen möchte.

 

LZ: Und nutzt Du das Pseudonym bei all deinen Werken?


HJ: Nein, Hanna ist vor allem den erotischen Werken vorbehalten.

 

LZ: Du schreibst vor allem homoerotische Romane wie kam es dazu, dass Du Dich diesem eher speziellen Genre gewidmet hast?


HJ: Das war eine Entwicklung, die wohl von verschiedenen Seiten ausging. Es gab unter anderem immer wieder Szenen in Filmen oder Büchern, die mich besonders angesprochen haben. Es geht hier durchaus nicht nur um den erotischen Anteil, sondern um gleichgeschlechtliche Liebe im Allgemeinen. Dabei macht für mich der Reiz vor allem die Beziehung unter homosexuellen Männern aus, der ich mich schreiberisch gerne annähern wollte. Ich begann an verschiedenen Stellen darüber zu schreiben und merkte, dass es mir Freude bereitete. Und diese Freude möchte ich gerne an meine Leser weitergeben. Ich verlange von niemandem, nur weil er mein anderes Schreiben schätzt, sich zwangsläufig auch mit meinen homosexuellen Themen – sei es zwischen Männern oder Frauen – widmen zu müssen. Aber diejenigen, die es nicht tun, verpassen natürlich einige sehr erotische und wichtige Momente.

 

LZ: Aber das ist nicht das einzige Genre, das Du bedienst. Was schreibst Du noch?


HJ: Die Frage ist wohl eher, was ich nicht schreibe.  Meine Geschichten reichen von Kinderliteratur über Texte in klassischer Sprache, bis hin zu Parodien, Psychothrillern und Horrorgeschichten. Es gibt nur wenig, was mich schreiberisch nicht beschäftigt.

 

LZ: Für alle, die jetzt so neugierig sind, wie ich: Wo erschienen und erscheinen deine Werke; wo bekommen wir sie her?


HJ:
Meine erotischen eBooks sind beim Club der Sinne erschienen. Eine homoerotische Kurzgeschichte, sowie mein in Kürze erscheinender homoerotischer Liebesroman „Wie im Film“ erscheinen bei dead soft.

 

LZ: Und woran scheibst Du gerade?


HJ: Gerade abgeschlossen habe ich eine neue erotische Geschichte, die voraussichtlich als eBook erscheinen wird. Es geht es um eine Ménage à trois, mit dem Pairing Frau/Frau/Mann, von der ich hoffe, dass sie begeisterte Leser findet.

Mein langfristiges Projekt ist ein Vampir-Roman, der im Moment gut voranschreitet. Mein zynischer Protagonist erzählt dem Leser seine Geschichte, die dafür sorgt, dass sich einem so manches Mal die Nackenhaare aufstellen. Es ist keine romantische Geschichte und doch gibt es viele Untertöne bei meinem Vampir zu entdecken, die den Leser hoffentlich nicht kalt lassen. Diese Geschichte hat keinen Schwerpunkt auf der Erotik oder Dark Romantic, sie geht eher ins Thrillergenre.

Zudem schreibe ich gerade an einer Science-Fiction-Gay-Geschichte. Sie enthält sowohl  humoristische, als auch Thrillerelemente. Die Mischung macht’s hier. Kennst Du das Gefühl, wenn Dir als Leser das Lachen plötzlich im Halse stecken bleibt? Ich denke, es wird einige Stellen in der Geschichte geben, in der genau das passiert.

Es gibt noch mehr Projekte, an denen ich arbeite, aber ich denke, das sollte erstmal reichen. Den Rest machen wir dann im nächsten Interview. *lach*

 

LZ: Hört sich interessant an. Gerade deine Vampirgeschichte interessiert mich persönlich besonders. :)
Okay. Wir wissen jetzt, was Du schreibst. Aber für Lokuszeit ist natürlich auch ein anderer Aspekt sehr interessant: Was liest Du? Liest Du auch andere, erotische Geschichten?


HJ: Ich lese nicht unbedingt primär erotische Geschichten. Natürlich war die ein oder andere dabei, aber ich lese hauptsächlich querbeet.

 

LZ: Zum Beispiel?


HJ: Ich lese Krimis, Horror, Thriller, Familiensagas, Science Fiction, Klassiker, historische Romane, eigentlich so ziemlich alles außer den typischen Frauenromanen. Mit denen kann ich leider meist nur sehr wenig anfangen.

 

LZ: *lach* Das macht dich mir gleich noch ein wenig sympathischer. :D
Hast Du eigentlich literarische Vorbilder und/oder Lieblingsautoren?


HJ: Direkte Vorbilder habe ich nicht. Vermutlich weil ich zu einem sehr frühen Zeitpunkt angefangen habe, Geschichten zu schreiben. Damals  habe nicht darüber nachgedacht, ob es Vorbilder für mich geben könnte, sondern einfach drauflos geschrieben. Der eigene Stil entwickelt sich natürlich ständig,  zumindest wenn man bereit ist, etwas zu lernen und neu umzusetzen. Es sind die immer neuen Herausforderungen, die mich reizen und die mich dazu ermuntern, an mir selbst zu wachsen. Das finde ich richtig und sinnvoll – auf jeden Fall sinnvoller, als sich vorzunehmen, zu schreiben wie Autor x oder y.

 

Aber natürlich habe ich eine ganze Reihe von Lieblingsautoren. Aufgrund der breiten Sparte meiner literarischen Interessen sind auch meine bevorzugten Autoren sehr unterschiedlicher Natur. Ich mag  gerne ein paar aufzählen. Die Reihenfolge sollte man allerdings nicht werten.

Da wären zum einen Autoren wie Leon de Winter und Martin Suter. Ich liebe sowohl die Komödien als auch die Dramen von Shakespeare und andere Klassiker. Ich lese Frank Schätzing und verschlinge die Bücher von Preston/Child. Ich mag die Thriller von Craig Russell und die älteren Werke von Elisabeth George und Minette Walters. Ebenso tauche ich ab in die Welt von Yasar Kemal, Knut Hamsun und natürlich in die bizarre Welt des Franz Kafka. Früher habe ich viel Stephen King gelesen und schätze noch heute seine Kunst, das Grauen in die normale Welt schleichen zu lassen. 

Ich liebe die Stadtgeschichten-Reihe von Armistead Maupin, der mir seine Charaktere so nahe gebracht hat, dass ich sie nach dem letzten Band nur schwer gehen lassen konnte. Ich besitze zwei Regalreihen voller Star Trek Bücher.  Außerdem schäme ich mich nicht zu sagen, dass auch Disneys Taschenbücher bei mir zum Lesestoff gehören. Ebenso eine ganze Reihe von Kinderbüchern, wie zum Beispiel Anne auf Green Gables plus Nachfolgebände.

Ich denke, ich sollte hier mal Schluss machen. *lach*

 

LZ: Danke für diese ausführliche Antwort. *gins* Okay, also weiter. :D
Welchen Hobbys frönst Du außerdem?


HJ: Ich fotografiere leidenschaftlich gerne. Und das lässt sich schön mit Spaziergängen verbinden, die zwar nicht unbedingt unter Hobby fallen, aber die eben zu dem gehören, was ich gerne mache. Durch Wälder zu streifen deklariere ich jetzt einfach mal zum Hobby. J Außerdem höre ich gerne Musik und ab und zu zeichne ich.

 

LZ: Was hältst Du – als Autorin – von Audiobüchern? Segen oder Fluch für die Leserschaft?


HJ: Ich würde es weder unbedingt als das eine, noch als das andere bezeichnen. Es ist sicher eine feine Sache, dass man Romane auch hörend konsumieren kann. Das hat durchaus Vorteile. Zum Beispiel weil man auch in andere Welten abtauchen kann, wenn man nicht gerade die Möglichkeit hat, ein Buch in den Händen zu halten – oder wenn man es eben auch gar nicht möchte. Ich selbst höre eher selten Audiobooks. Ich glaube, mein letztes war Dantes Göttliche Komödie.  An und für sich gehöre ich allerdings zu den Menschen, die lieber ein Buch in den Händen halten. Ich bin ein Genussleser – manchmal lese ich Passagen zweimal oder dreimal, ich fühle gerne das Papier und genieße das Gefühl, ein wirklich gutes Buch nach dem Lesen zuzuklappen und mich dadurch von ihm zu verabschieden. Ich glaube, meine Verbindung zu Büchern ist ein wenig sinnlicher Natur. *lach*
(Anm. d. A.: Dem kann ich mich nur anschließen! :) )

 

LZ: Und angenommen irgendeine Deiner Geschichten würde als Audiobuch gesprochen werden – welches sollte es sein und wer wäre Dir als SprecherIn am liebsten?


HJ: Ich habe neulich eine Reihe von Kurzgeschichten beendet. Einen Teil davon habe ich selbst gesprochen, sozusagen probeweise, ob mir eine vertonte Umsetzung gefallen würde. Ja, würde es, habe ich erkannt. Das soll jetzt allerdings nicht heißen, dass ich sie ernsthaft selbst sprechen wollte. Wer es tun sollte, wenn ich einen Wunsch frei hätte, weiß ich allerdings wirklich nicht. Auf jeden Fall bevorzuge ich dunkle Stimmen, sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Das grenzt die Sache ja nun ungemein ein, nicht wahr? *lach*

 

LZ: Hehe! Da ließe sich sicher jemand finden. ;) Möchtest Du noch etwas an Deine Leser und potenziellen Neuleser loswerden?


HJ: Ja, das möchte ich. Das eine ist ein Wunsch, das andere eine Warnung. Nein, war nur ein Scherz … obwohl … doch, so in etwa stimmt das sogar. Mein Wunsch ist es, dass sich meine Leser gut unterhalten fühlen, sie mir, beziehungsweise meinen Protagonisten folgen möchten und sie so ins Herz schließen, wie ich es beim Schreiben tue. Meine Warnung ist die, dass ich mich nur schlecht auf ein spezielles Genre festlegen lasse. Selbst bei den erotischen Romanen ist es mir wichtig, einen Hintergrund zu entwickeln, die Figuren echt wirken zu lassen, und vor allem nicht langweilig zu werden. Das führt allerdings dazu, dass man sich als Leser darauf einlassen muss. Ich schreibe nur selten über unkomplizierte Charaktere und heimelige Handlungen.

Ich vermeide in diesem Genre natürlich Gratwanderungen, die hier einfach nicht hergehören, aber wenn man meine Werke liest, kann man durchaus über die ein oder andere stolpern. Ich mag es eben manchmal unbequem.

Wer sich gerne über meine Projekte auf dem Laufenden halten möchte, kann mich auf http://hannajulian.jimdo.com/ besuchen. Wenn es etwas Neues von mir gibt, erfährt man es für gewöhnlich als erstes dort. Natürlich freue ich mich auch über Twitterkontakte, unter http://twitter.com/HannaJulian kann man mich dort finden.

 

LZ: Falls es noch Fragen in den Comments geben sollte – wärst Du bereit sie zu beantworten?


HJ: Grundsätzlich wäre ich das. Sofern meine Zeit es zulässt, werde ich mich bemühen.

 

LZ: Das freut die Leser sicher sehr.


Vielen Dank, für Deine Antworten! Ich weiß, dass Du nicht gerne interviewt wirst. ;)
Ich wünsche Dir viel Erfolg mit Deinen Werken und noch viel, viel mehr Leser! :D


HJ: Ich hab’s schon überstanden? *lach* Na, das war ja halb so schlimm! Hat Spaß mit Dir gemacht.
Ich danke Dir für dieses angenehme Interview.