11. Dezember

Ein geliehener Ersatzcomputer macht es möglich ... nun geht es weiter mit dem Adventskalender. ;-)

 

Weihnachtsmann - Unbekannt verzogen (Teil 4)

 

 

Ehe Robin den Weihnachtsmann fragen konnte, warum dieser besorgt war, tauchte ein kleiner Hund hinter dem Schlitten auf und sprang aufgeregt um des Weihnachtsmanns Füße herum. Robin überlegte, wie diese Rasse noch gleich hieß.

„Ist das ein Chihuahua?“, fragte er dann, stolz, dass ihm das Wort wieder eingefallen war.

 

Nun sah der Weihnachtsmann noch unglücklicher aus.

„Nein, das ist Rudolph“, antwortete er und strich sich über den langen weißen Bart.

„Rudolph?“, fragte Robin ungläubig.

Er ging in die Hocke und sah sich den winzigen „Hund“ von Nahem an. Das war nicht weiter schwer, denn kaum hockte er, sprang ihm das herumwuselnde Tier auf den Schoß. Und tatsächlich: Da war ein kleines Geweih auf dem Kopf, außerdem hatte es Hufe, und dann erkannte Robin die typische rote Rudolph-Nase.

 

„Oh“, hauchte er.

„Oje“, hörte er Tiffany ausstoßen.

„Uff“, stimmte der Weihnachtsmann zu.

 

„Wie ist das denn passiert? Ich meine, seit wann ist Rudolph denn so klein?“, fragte Robin und streichelte mit seiner Hand den schmalen Rentierrücken.

Der Weihnachtsmann zuckte mit den Schultern, sein Blick war kummervoll.

„Ich weiß es nicht. Es ist passiert, während ich den Schlitten belud. In einem Moment war er noch ganz der Alte, und im nächsten Moment plötzlich so winzig. Aber so kann er unmöglich den Schlitten ziehen. Und ohne ihn geht es einfach nicht. Ich bin ganz verzweifelt, denn ich weiß nicht, wie ich so die Geschenke ausliefern soll. Ich fürchte, dieses Jahr wird Weihnachten ausfallen müssen.“

 

Robin hörte mit Entsetzen, was der Weihnachtsmann sagte. Das durfte doch nicht wahr sein! Nicht jetzt, da er es endlich geschafft hatte, seinen Brief noch rechtzeitig zu ihm zu bringen.

Er überlegte angestrengt, dann lächelte er und sagte: „Ich glaube, ich habe eine Idee.“

Der Weihnachtsmann hob verblüfft eine seiner buschigen Augenbrauen.

„Wirklich?“, fragte er dann hoffnungsvoll.

 

Robin nickte bestätigend und so begann er, Rudolph von Herrn Tur Tur aus „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ zu erzählen, er berichtete von „Gullivers Reisen“, er ließ Rudolph die Abenteuer vom „Tapferen Schneiderlein“ hören, das die Riesen das Fürchten lehrte, er ließ auch den Halbriesen Hagrid aus den „Harry Potter“ Büchern nicht aus ... und ganz langsam – mit jeder Geschichte ein Stückchen mehr – wuchs Rudolph wieder zu dem Rentier empor, als das man ihn kannte.

Da lachte der Weihnachtsmann glücklich und strich Robin dankbar über den Kopf.

 

„Die Phantasie eines Kindes vollbringt wahre Wunder! Geschichten von Riesen ... das hast du wirklich gut gemacht!“, sagte er anerkennend. Robin freute sich über das Lob und sah mit roten Wangen, wie Rudolph das Haupt vor ihm senkte, um dann rasch zum Schlitten zu traben, damit die Reise endlich beginnen konnte.

 

Auch der Weihnachtsmann wurde nun sehr geschäftig und er saß schon im Schlitten, als Tiffany sich für eine Elfe ziemlich laut räusperte.

Robin sah sie überrascht an und sogar der Weihnachtsmann hielt inne.

Die Elfe machte eine bedeutsame Kopfbewegung, doch Robin verstand nicht.

„Dein Brief“, sagte sie dann lächelnd.

„Oh ... mein Brief!“, rief Robin. Jetzt hatte er fast das Wichtigste doch noch vergessen!

 

Schnell lief er zum Weihnachtsmann, der seinen Umschlag in Empfang nahm. Er blickte darauf und sagte: „Unbekannt verzogen? Nun ... dem ist nicht so, wie du siehst. Und doch bin ich froh, dass jemand diesen Fehler beging, denn sonst hätte es dich nicht zu mir verschlagen, du hättest Rudolph nicht wieder groß gemacht, und ich hätte keine Geschenke verteilen können.“

 

Der Weihnachtsmann steckte den Brief ein, und kaum war dies geschehen, sauste der Schlitten auch bereits davon. Als er am Horizont verschwand, wandte Robin sich zu Tiffany um, doch die Elfe war nicht mehr da.

Robin wandte sich noch mal um, und alles fühlte sich plötzlich seltsam an.

Er schlug die Augen auf. Dann blinzelte er verwirrt. Er lag in seinem Bett! Draußen wirbelten Schneeflocken umher und von unten waren die Stimmen seiner Eltern zu hören.

 

Ob er etwa alles nur geträumt hatte? Was, wenn seine Begegnung mit dem Weihnachtsmann nur seiner Phantasie entsprungen war? ... Dann hätte dieser seinen Brief ja immer noch nicht!

Robin wurde ganz flau im Bauch.

 

Als er jedoch am Nachmittag unter dem festlich geschmückten Baum ein Paket sah, das seinen Namen trug, war er der glücklichste Junge der ganzen Welt. Zumindest raunte er das seinem Teddy Barney zu, bevor er damit begann, sein Geschenk zu öffnen.

 

Seine Eltern aber lächelten sich an und in ihrem Herzen trugen sie den Wunsch, dass kein Kind auf der ganzen Welt je unglücklich sein dürfte, weil es glaubte, der Weihnachtsmann habe es vergessen.

 

Ende

 

 

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Kommentare: 8
  • #1

    Maria (Sonntag, 11 Dezember 2011 12:34)

    Wunderschön... Vielen Dank für diese Geschichte... zu süß, wie Robin die Riesengeschichten erzählt...

  • #2

    artis (Sonntag, 11 Dezember 2011 20:14)

    Eine wunderbare Geschichte. Und ja, kein Kind sollte am Weihnachtsabend ohne Geschenk sein.
    Hab vielen lieben Dank für diese Geschichte.

    Liebe Grüße
    artis

  • #3

    Laura (Montag, 12 Dezember 2011 07:39)

    Was für ein süßes Ende! Sehr schöne Geschichte. Danke!

    LG Laura

  • #4

    Vampirmietze (Montag, 12 Dezember 2011 08:10)

    Eine total schöne Geschichte. Schön auch das du wieder nen PC hast. Wobei viel wichtiger ist das es dir und deiner Familie gut geht.

  • #5

    Spinner´s End (Montag, 12 Dezember 2011 08:50)

    Liebe Hanna,
    einfach eine wunderschöne Geschichte. Vielen Dank :-)!
    LG Spinner´s End

  • #6

    Landwind (Dienstag, 13 Dezember 2011 02:23)

    Eine ganz herzerwärmende Geschichte, mit so vielen zauberhaften Einfällen. Sie eignet sich bestimmt prima zum Vorlesen für Kinder.

  • #7

    Chrissi (Samstag, 17 Dezember 2011 23:11)

    Na das ist ja gerade nochmal gut gegangen. Gute Idee, den Rudolph auf die Weise zu entschrumpfen. :)

  • #8

    Nienna (Freitag, 30 Dezember 2011 23:16)

    Eine ganz wunderbare und niedliche Geschichte, nicht nur für kleine, sondern auch für große Kinder. Ich bin sehr begeistert :)