Hinweis:

 

Die Challenge wird von mir aus Zeitgründen vorerst nicht fortgesetzt!

Ich nehme an der Reclam Challenge 2011 teil.

 

Bücherchaos hat zu dieser - wie ich finde - sehr reizvollen Challenge aufgerufen:

(Link leider veraltet, daher gelöscht)

 

Ziel ist es, im Laufe des Jahres mindestens 12 Reclam Hefte zu lesen und sie zu rezensieren. Ich mag die Idee schon deshalb, weil ich die kleinen Gelben (es dürfen aber auch die andersfarbigen gelesen werden ;) ) sehr zu schätzen weiß.

Es gab eine Zeit, da ging ich nie ohne einen Reclam-Shakespeare in der Tasche irgendwo hin. Aber ich werde natürlich nicht nur Shakespeare (nochmal) lesen.

 

Lasst euch überraschen und wer weiß, vielleicht schließen sich ja auch noch Leute der Challenge an. Eigentlich sollen die Fortschritte auf dem eigenen Blog dokumentiert werden, aber es geht auch ohne, indem man sie direkt bei Bücherchaos auf dem Blog als Kommentar einträgt. Für Rückfragen diesbezüglich bitte ich jedoch, sich nochmal dort selbst zu melden!

 

 

 

 

 

 

Mein Reclam-Band im Juni

Diesmal beschäftige ich mich mit Oscar Wildes "Das Gespenst von Canterville"

Der amerikanische Botschafter Hiram B. Otis zieht mit seiner Familie in das Schloss von Canterville. Allen Warnungen zum Trotz glaubt er nicht daran, dass ein Gespenst in seinem neuen Wohnsitz sein Unwesen treibt. Schon bald stellt sich heraus, dass dies jedoch mitnichten nur ein Schauermärchen ist. Doch so sehr das Gespenst von Canterville - dem nachgesagt wird, zu Lebzeiten die eigene Ehefrau getötet zu haben - sich auch bemüht, es vermag nicht, die Familie Otis in Furcht und Schrecken zu versetzen. Ganz im Gegenteil.

So wird dem verdutzten Gespenst gleich bei der ersten Begegnung eine Flasche mit Öl angeboten, um seine rasselnden Ketten weniger störend zu machen. Die Zwillingsjungen der Familie werfen gar mit einem Kissen nach dem entsetzten Gespenst.

Im Folgenden gibt es noch einige mehr dieser Ereignisse, die sogar damit enden, dass das Gespenst sich selbst verletzt und von Mrs. Otis Medizin bekommt.

Immer wieder schwelgt es in Erinnerungen, wie es einst die Bewohner des Schlossest in Angst versetzte.

 

Als es schließlich eines Tages bekümmert dasitzt, wird es von Otis' Tochter Virginia entdeckt. Sie lässt sich die Geschichte des Gespensts erzählen und erkennt, dass dieses selbst den Hungertod starb und echte Reue für seine Taten empfindet.

Eine Prophezeiung sieht vor, dass ein Kind dafür sorgen kann, dass das Gespenst den erlösenden Tod findet und damit endlich zur Ruhe kommt.

 

Virginia wagt das Unterfangen und löst damit eine große Suche nach ihr aus, die ergebnislos endet.

Als das Mädchen schließlich wieder auftaucht, ist das Gespenst von Canterville bereits erlöst. Virginia hat von ihm ein Kästchen mit Schmuck geschenkt bekommen, das es schließlich behalten darf.

Die Gebeine des ehemaligen Gespenstes werden beerdigt. Virginia erzählt nie was sich ereignete, als sie das Gespenst erlöste, selbst später ihrem Ehemann gegenüber nicht, der sie um Offenlegung dieses Geheimnisses bittet.

 


Mein Fazit:

 

 

Schöne amüsante Gruselgeschichte. Es gibt viele Szenen, die von den schauerlichen Taten des Gespenstes berichten. Der nicht dauerhaft verschwindende Blutfleck ist ein netter Einfall. Insbesondere später, als sich auflöst, wie dieser erschaffen wurde.

Natürlich bringen einen die vergeblichen Versuche, die Familie zu erschrecken - und die regelmäßig damit enden, dass das Gespenst noch bekümmerter ist - einen zum Schmunzeln. 

Insgesamt ist die Geschichte seicht, aber unterhaltsam. Das Ende ist extrem kitschig, aber ich sehe es Herrn Wilde nach. LOL

 

 

Im Mai lese ich ...

Daphne du Maurier "The Birds"

 

"The Birds" erschien 1952 in einer Kurzgeschichtensammlung von Daphne du Maurier. Der Text handelt um Nat Hocken, einem Kriegsversehrten, der seine Familie durch vorausschauendes Handeln vor dem unerklärlichen Angriff der Vögel schützt. Anfangs scheinen die Angriffe eher versehentlich zu erfolgen, und die Vögel durch einen viel zu früh hereingebrochenen Winter planlos. Im Laufe der Zeit wird die Situation jedoch immer beklemmender. Als Leser ahnt man die Gefahr und betrachtet mit ebenso viel Unverständnis wie Nat die Ignoranz der anderen Farmer und Dorfbewohner.

Alfred Hitchcock gefiel das Grundelement, der bedrückenden Szenerie, die eigentlich harmlose Vögel in eine ernstzunehmende - und schlließlich tödliche Gefahr verwandelt.

Er übernahm jedoch nur diesen Kern und verzichtete darauf, politische Verstrickungen aufzubauen, wie sie in Mauriers Geschichte zu finden sind. So wird zum Beispiel im Buch die Vermutung geäußert, dass die Russen die Vögel vergiftet haben könnten. Aber es gibt noch subtiliere Hinweise auf diese Art von Verbindung. Hitchcock hingegen hat die Handlung in den Frühling verlegt und im Gegensatz zur Kurzgeschichte ist nur der Ort Bodega Bay von den Vorkommnissen betroffen. Auch das Ende ist bei Maurier bedrückender als in Hitchcocks Film, sieht es doch so aus, als sei eine Rettung kaum mehr möglich. Was bleibt, ist zu warten ... Nat Hocken tut dies mit einer letzten Zigarette.

 

Mein Fazit:

 

Ich mag den Hitchcock-Film, doch nach der Lektüre des Buches muss ich Daphne du Maurier zu ihren beklemmenden Beschreibungen einfach gratulieren! Sie schafft es, ohne eine turbulente Liebesgeschichte, oder die Differenzen zwischen Reich und Arm eine Story zu entwickeln, die mitfiebern lässt, und Gänsehaut verursacht. Ein bisschen ärgerlich finde ich, dass Reclam als stilisiertes Coverbild eindeutig eine Filmszene zeigt.

Wer es ein bisschen beklemmend mag, ist mit dem Text gut bedient. Und klar ... den Film liebe ich natürlich trotzdem! ;)

Ach, eins noch ... wie man sieht, ist der Reclamband rot ... das heißt, ich habe die Geschichte auf Englisch gelesen - und dadurch bin ich um viele, viele Vogelarten in jener Sprache reicher geworden ... ob ich die jemals nochmal brauche, lasse ich mal dahingestellt sein. LOL  

 

Im April geht es bei mir um Shakespeares "Viel Lärm(en) um nichts"

Ich freue mich schon darauf, euch hier demnächst meine Rezension zu präsentieren - bin schon lange Besitzerin sowohl des Reclam-Bandes, als auch der Verfilmung mit

Kenneth Branagh, Emma Thompson, Keanu Reeves, Denzel Washington u.a.

 

So, nach dem Lesegenuss kommt natürlich auch die Rezension.

 

Benedikt und Beatrice sind beide mit einer überaus spitzen Zunge gesegnet. Sie lassen kein gutes Haar aneinander und beteuern, niemals der Dummheit zu unterliegen, sich mit jemandem zu vermählen.

Hero indes, Beatrices Muhme, erliegt Claudios Charme, und möchte den florentinischen Grafen heiraten. Durch Lügen und Intrigen gelingt es dem Bösewicht Don Juan, Heros Sittsamkeit als unwahr hinzustellen. Claudio, zutiefst empört, weist die unschuldige Frau nun ab. Durch eine weitere List gelingt es schließlich, die Verleumdungen aufzudecken. Doch ein weiteres Komplott ist im Gange und ein absoluter Höhepunkt der Geschichte. So wird Beatrice die angebliche Liebe des Benedikt zu ihr angetragen, und umgekehrt erzählt man ihm von der angeblichen Liebe Betrices zu ihm.

Und der Leser darf verfolgen, welche Auswirkungen dies auf die beiden schillernden Figuren hat. :D

 

Mein Fazit:  

 

Die Dialoge zwischen Beatrice und Benedikt sind immer wieder ein literarischer Genuss! Ob Hero nach allem ihren Claudio noch heiraten sollte, lasse ich nun mal dahin gestellt sein - in Anbetracht, dass dies ein beliebtes Muster klassischer Text ist, trägt es doch zum Happy End bei. Der Aufbau dieser Intrigen und ihre Aufklärung sind auf jeden Fall ebenfalls sehr unterhaltsam zu lesen.   

Im März steht Verdis Rigoletto auf meinem Leseprogramm

Rigoletto wurde 1851 uraufgeführt. Verdi selbst nannte sie eine revolutionäre Oper. Sie geht auf ein Drama von Victor Hugo zurück. Diese dramatische Oper in drei Akten steckt voller bizarrer Logik, wilder Leidenschaft, schwarzem Humor,  tragischem Ernst und verzweifeltem Spott.

 

Rigoletto ist Hofnarr des Herzogs von Mantura. Der Herzog selbst ist ein Mann, der von Treue nichts hält, Ehemänner hörnt und Väter in Sorge um ihre Töchter zur Verzweiflung treibt. Für die Opfer seines Herzogs hat Rigoletto nur Spott übrig und zieht so den Fluch des Grafen von Monterone auf sich, dessen Tochter ebenfalls vom Herzog verführt wurde. 

Als Rigoletto vorschlägt, die Gräfin Ceprano zu entführen, und ihrem Mann gar den Kopf abzuschlagen, erzürnt er damit die Hofgesellschaft so sehr, dass sie den Hofnarren damit strafen wollen, indem sie seine Geliebte entführen. In Wahrheit jedoch ist Gilda nicht Rigolettos Geliebte, sondern seine Tochter, die er um jeden Preis vor den Avancen des Herzogs schützen möchte.

Das Verhängnis nimmt unaufhaltsam seinen Lauf, denn längst hat der Weiberheld sich ins Herz der jungen Gilda geschlichen. Als Rigoletto dahinter kommt, entschließt er sich, den Herzog töten zu lassen.

Am Ende steht es auf Messers Schneide, doch das dramatische Ende ist vorprogrammiert und so ereilt Rigoletto doch noch der Fluch, den er so sehr fürchtete, und seine geliebte Tochter stirbt in seinen Armen.

 

Mein Fazit:

 

Die Frau in der Oper kommt selten gut weg. Sie ist Spielball, naiv und oft genug auch Opfer, egal aus welchem "edlen" und "selbstaufopfernden" Grund sie ins Gras beißen muss. So wie eben auch Gilda in Rigoletto.

Ein Lesegenuss ist das für mich wahrlich nicht. Nun, zum Glück hat Rigoletto nur 61 Seiten und die ersten erstrecken sich über die Einleitung und die Reihenfolge der Musiknummern.

Ich habe Rigoletto auch vor ein paar Jahren als Oper gesehen. Eigentlich gehe ich gerne in die Oper, wäre da nicht meist die Frau stets nur ... egal, das hatten wir schon. ;)

 

 

 

 

 

 

Im Februar beschäftige ich mich mit Lessings Nathan der Weise

Es ist eines meiner Lieblingswerke, erzählt uns Lessing doch eine Geschichte, in der religiöse Gegensätze Toleranz füreinander finden.

 

Nathan der Weise ist Gotthold Ephraim Lessings letztes Werk. Ein dramatisches Gedicht in fünf Aufzügen, in dem er uns die verschiedenen Charaktere, ihre Ansichten und ihre Verflechtungen miteinander auf eindrucksvolle Art nahe bringt.

 

Herausragend ist ganz sicher seine Ringparabel, die von einem Vater erzählt, der drei Söhne hat, und alle gleich liebt, sodass er unschlüssig ist, welchem von ihnen er seinen kostbaren Ring vermachen soll. In seiner Not lässt er zwei zusätzliche Ringe anfertigen, und gibt jedem Sohn unter vier Augen einen der Ringe, sodass ein jeder von ihnen glaubt, er habe den rechten Ring geerbt. 

Als es nach dem Tode des Vaters zum Streit kommt, wer den echten Ring habe, lässt sich nicht mehr eindeutig ausmachen, welcher der usprüngliche war. Jeder von ihnen glaubt, der seinige ist der richtige.

Nathan, der dem Saladin diese Geschichte erzählt, als dieser ihn bittet, ihm den wahren Glauben zu nennen, erkennt die Weisheit Nathans, und mit ihm der Leser.

 

Mein Fazit:

 

Insgesamt ist die Geschichte um Recha und den Tempelherrn, um Nathan, Saladin und Daja immer wieder ein paar Stunden Lektüre wert!

Als Schullektüre habe ich den Nathan zum ersten Mal gelesen und damals geschah etwas Sonderbares. Nachdem unserer wirklich sehr genialer Deutschlehrer (†) uns das Theaterstück dazu hat sehen lassen, entbrannte plötzlich eine Diskussion über die Charaktere, und wie jeder von uns sie beim Lesen empfunden hat. Das war seltsamerweise ganz anders, als sie uns in der Theaterfassung "vorgesetzt" wurden.

Wer richtig lag, und wer falsch, spielt dabei für mich eigentlich gar keine Rolle mehr ... viel wichtiger war es, dass wir uns damals erst richtig klar darüber wurden, wie sehr man sich beim Lesen gedanklich in einen Charakter hineinbegibt. Denn damals hätte wohl niemand von uns gedacht, dass wir uns bei diesem sprachlich schwierigen Text da überhaupt wirklich tiefere Gedanken zu gemacht hatten. Es war wie eine Offenbarung, dass das offensichtlich doch der Fall war. ;) 

Und das ist etwas, das ich bis heute als Erfahrung mitgenommen habe ... und es natürlich in meinen eigenen Geschichten bewusst umsetze.

 

 

 

 

Ich starte mit Hoerschelmanns "Das Schiff Esperanza", ein Klassiker des deutschen Hörspiels.

"Hoerschelmanns Schiff Esperanza ist wohl das erfolgreichste deutsche Hörspiel überhaupt"  ... so steht es auf der Rückseite meines Reclambändchens.

 

Zur Handlung (ich habe sie von Anfang bis Ende zusammengefasst - wer das Buch also noch lesen möchte, muss selbst entscheiden, ob er sie liest ;) ):

 

Der junge Axel heuert auf der Esperanza an. Gleich zu Beginn erfahren wir, dass er es für möglich hält, dass Kapitän Grove sein verschollener Vater sein könnte. 

Betrunken, wie vor jeder Abfahrt, hockt der Kapitän in seiner Kajüte und erfährt von seinem ersten Steuermann, dass der neue Leichtmatrose glaubt, sein Sohn zu sein.

 

In einem Szenenwechsel erfahren wir, dass sich im Bauch des Schiffes zeitgleich eingeschlossene Flüchtlinge befinden, die darauf hoffen, einem besseren Leben entgegen zu fahren.

 

Vater und Sohn erkennen sich, das Gespräch ist geprägt von den Differenzen der beiden, und dem Wunsch des Vaters, dem Sohn eine Ausbildung zu ermöglichen. 

 

Im Verlauf erfahren wir durch ein Gespräch zwischen dem Kapitän und dessem ersten Steuermann Bengtsen, wie Grove tatsächlich sein Geld verdient. Er bietet verzweifelten Menschen an, sie an Bord seines Schiffes heimlich nach Amerika zu bringen. In Wahrheit jedoch lässt er die Leute im Meer ertrinken, indem er sie des nachts auf eine Sandbank bringt, und vorgibt, es sei das ersehnte Land. Zwei Stunden lang steigt die Sandbank aus dem Wasser, danach liegt sie etwa vier Meter wieder darunter. 

 

Axel, der nichts von den dunklen Machenschaften seines Vaters weiß, nimmt Kontakt zu den Flüchtlingen auf, die er durch Zufall entdeckt. Er verliebt sich in die 18jährige Edna.

 

Es kommt zum Streit zwischen Vater und Sohn. Axel konfrontiert ihn um sein Wissen über die Flüchtlinge an Bord. Der Vater ist entsetzt, verheimlicht dem Sohn jedoch weiterhin, dass die Flüchtlinge dem Tod geweiht sind.

 

Der Plan wird schlussendlich von Grove wie üblich durchgeführt.

Als einer der Passierge nach der angeblichen Überfahrt immer noch an Bord aufgefunden wird, und angibt, es sich mit der Überfahrt anders überlegt zu haben, wird das tragische Ende offensichtlich. Axel hat seine Stelle eingenommen, um bei Edna bleiben zu können. Der Vater muss erkennen, dass es zu spät ist, um ihn zu retten.

 

Mein Fazit:

 

Ich muss zugeben, dass ich Das Schiff Esperanza bislang noch nicht vertont gehört habe, sondern es "nur" las.

Das allerdings hat mir viel Freude bereitet. Nicht etwa, weil es eine lustige Geschichte wäre, sondern weil sie den Leser in ihren Bann zieht.

Man sieht das Unheil heraufziehen - unfähig einzugreifen, verfolgt man das Geschehen bis zum bitteren Ende.

Wer einen Garant für ein Happy End sucht, sollte Das Schiff Esperanza also besser nicht lesen. Doch wer Dramatik mag, der sollte unbedingt einen Blick auf diese 61 Seiten spannender Erzählkunst richten.